Artikel in der Dürener Zeitung vom 21.11.2007:
Kreis Düren/Nörvenich. Bei der FDP im Kreis Düren hängt der Haussegen schief. Der Kreistagsabgeordnete Stefan Pohl (27) aus Nörvenich hat mit sofortiger Wirkung seinen Austritt aus der Kreistagsfraktion erklärt.
Er will seine Arbeit bis auf Weiteres als fraktionsloser Abgeordneter fortsetzen. Parteimitglied will er vorerst bleiben. Pohl, der auch Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen und Schatzmeister der Partei an seinem Wohnort Nörvenich ist, begründet seinen Schritt mit Enttäuschung über die Politik der Liberalen und übt in einer Nachricht harsche Kritik: Bei der FDP im Kreisverband, so sein Eindruck, habe sich «eine Ansammlung von Egoisten» durchgesetzt.
Die FDP habe im Kreis Düren weder liberale Politik umgesetzt noch ihre Wahlversprechen eingelöst, urteilt Pohl. Der 27-Jährige wirft seiner Partei vor, sie beschäftige sich «immer nur mit der Sicherung von Posten, Funktionen und Ämtern». Ob er Mitglied in der FDP bleibe, werde sich in den nächsten Wochen entscheiden.
Bei der parteiinternen Auseinandersetzung spielt offenbar die lückenhafte Präsenz des Studenten Pohl bei Sitzungen und Versammlungen eine Rolle. Der Juli-Kreisvorsitzende hatte in seiner Fraktion um Verständnis dafür geworben, dass er bis Februar 2008 ein Praktikum bei der FDP-Bundesgeschäftsstelle in Berlin absolviere und damit seine häufige Abwesenheit begründet. Das wurde offenbar nicht von allen Parteimitgliedern akzeptiert. Inzwischen weiß die Dürener FDP, dass Pohl sein Berliner Praktikum bereits im Oktober beendet hat.
Rudi Frischmuth, Fraktionsvorsitzender im Dürener Kreistag, zeigte sich überrascht, als er vom Austritt Pohls erfuhr. Er bedauere diese Entscheidung, die «leider ohne Rücksprache» erfolgt sei. Die Kritik des jungen Liberalen ficht ihn freilich nicht an. Pohl habe «Sitzungen versäumt, nicht im erwarteten Maße mitgearbeitet und Ämter nicht wahrgenommen», sagte Frischmuth gegenüber unserer Zeitung. Deswegen sei Unmut in der Partei aufgekommen.
Zum Vorwurf des Postenschachers bei den Freidemokraten sagte Frischmuth: «Eine kleine Partei wie die FDP hat nur die Chance auf Mitwirkung, wenn sie im Falle Kreis Düren mit der CDU zusammenarbeitet. Dabei achten wir darauf, dass wir in allen Gremien vertreten sind. Dazu haben wir die Sitze für sachkundige Bürger an Parteimitglieder aus allen Ortsverbänden verteilt.» Im Aufsichtsrat der Infrakstrukturgesellschaft des Kreises Düren (GIS) beispielsweise sei Professor Erich Meurer (Kreuzau) als Stellvertreter wie vereinbart präsent.
An die Adresse von Stefan Pohl sagte der Fraktionschef: «Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, keine Zeit hat, seine Aufgaben wahrzunehmen, dann sollte man sein Mandat zurückgeben.»
Mein Anmerkung zur Aussage von Herrn Frischmuth:
Es hat nichts mit einer Zusammenarbeit mit der CDU zu tun, wenn man sich in seinem täglichen Geschäft zum Großteil um die Sicherung der eigenen Posten etc. kümmert. Eine Zusammenarbeit mit der CDU ist begrüßenswert, denn so hat man auch in der Opposition die Möglichkeit gute Vorschläge umzusetzen.
Herr Frischmuth hat wohl in seiner Aussage um den Aufsichtsrat der GIS mbH vergessen, dass Herr Prof. Meurer reguläres und nicht stellvertretendes Mitglied werden sollte!
Ich werde mein Mandat natürlich nicht zurückgeben, dafür habe ich im Kommunalwahlkampf hart gearbeitet. Weiter sollte Herr Frischmuth nachdenken, wer die Wahlkämpfe 2005 im Kreis Düren organisiert hat, der Vorwurf, ich hätte nicht in erwartetem Maße mitgearbeitet ist wohl nicht wahr.
Bei solchen Stellungnahmen wird natürlich immer klarer, warum ich diesen Schritt gegangen bin!

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